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RA 02/2020 - Entscheidung des Monats

Der BGH prüft im vorliegenden Fall die Voraussetzungen eines sog. erfolgsqualifizierten Versuchs, hier in Bezug auf § 227 StGB. Des Weiteren erörtert er die Voraussetzungen der Mittäterschaft bei einem erfolgsqualifizierten Delikt.

RA

RA 02/2020 Strafrecht 49 kann, wenn das Grunddelikt lediglich versucht und dadurch fahrlässig die Todesfolge verursacht wird.“ Bei einem so massiven Angriff, wie ihn D, M und S ausführen wollten, ist es eine typische Gefahr, dass das Opfer aufgrund einer Flucht oder der verübten Misshandlungen stürzt, sich dadurch weitere Verletzungen zuzieht und an diesen evtl. auch stirbt. Nach der Handlungstheorie wäre der Unmittelbarkeitszusammenhang somit gegeben. Die Letalitätstheorie beruft sich insbesondere auf den Wortlaut des § 227 I StGB, der voraussetzt, dass der Täter den Tod „der verletzten Person“ verursache. Dies verdeutliche, dass das Grunddelikt stets vollendet sein müsse, da es ansonsten keine „verletzte Person“ i.S.v. § 223 I StGB gebe. Auch zwinge der hohe Strafrahmen des § 227 I StGB dazu, die Anforderungen an diese Erfolgsqualifikation eng zu setzen, was die Handlungstheorie aber gerade nicht tue. Die Handlungstheorie betont, dass § 227 I StGB in seinem Wortlaut als Grunddelikte ausdrücklich und ohne Einschränkungen auf die „§§ 223 bis 226a“ verwiese, also insbesondere auch auf die entsprechenden Versuchsregelungen, insb. §§ 223 II, 224 II StGB. Auch seien durchaus Konstellationen denkbar, in denen gerade nicht die dem Opfer zugefügte Verletzung, sondern die Handlung des Täters besonders gefährlich sei. Deshalb sei es nicht sinnvoll, Fälle, in denen die schwere Folge gerade aus dieser Handlung resultiere, nicht unter § 227 I StGB zu fassen, was aber die Konsequenz der Letalitätstheorie wäre. Der Handlungstheorie ist somit zu folgen. Der erforderliche Unmittelbarkeitszusammenhang liegt vor. d) Wenigstens Fahrlässigkeit bzgl. a) D, M und S müssten bzgl. der schweren Folge gem. § 18 StGB wenigstens fahrlässig gehandelt haben. „[11] Zudem haben die Angeklagten S und D sowie der Mitangeklagte M hinsichtlich des Erfolges wenigstens fahrlässig gehandelt; insbesondere war der Todeserfolg für jeden vorhersehbar. Hierfür reicht es aus, dass der Erfolg nicht außerhalb aller Lebenserfahrung liegt; alle konkreten Einzelheiten brauchen dabei nicht voraussehbar zu sein. Es genügt die Vorhersehbarkeit des Erfolgs im Allgemeinen. Dies hat das Landgericht hinsichtlich der Angeklagten, die den Angriff auf die im Pkw befindlichen Insassen unternommen haben, rechtsfehlerfrei bejaht. Wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, ist eine panische Flucht eines potenziellen Gewaltopfers, welches eine heftige Attacke und eine massive Gewaltanwendung auf sich befürchtet, ebenso vorhersehbar wie der Umstand, dass das Opfer bei dieser hektischen Flucht stürzt und sich tödlich am Kopf verletzt.“ BGH; Urteil vom 16.03.2006, 4 StR 536/05, NJW 2006, 1822 II. Rechtswidrigkeit D, M und S handelten rechtswidrig. III. Schuld D, M und S handelten auch schuldhaft. Insb. ist bzgl. der schweren Folge des § 227 I StGB auch der erforderliche Fahrlässigkeitsschuldvorwurf gegeben. IV. Kein Rücktritt gem. § 24 StGB Ein strafbefreiender Rücktritt gem. § 24 StGB vom Versuch des Grunddelikts ist nicht ersichtlich. V. Ergebnis D, M und S sind strafbar gem. §§ 223 I, 25 II, 22, 23 I, 227 I StGB. © Jura Intensiv Verlags UG & Co. KG

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