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RA Digital - 05/2019

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RA 05/2019 Editorial EDITORIAL Verzettelt Liebe Leserinnen und Leser, er ist handlich und praktisch, stets verfügbar, leicht zu bedienen und einfach aufzubewahren. Droht ein genialer Gedanke zu entfliehen, bildet er dem Geistesblitz ein zweidimensionales Gefängnis aus Papier. Im Portemonnaie steckt er häufig, gefaltet passt er in jede Hosentasche, mit etwas Geschick sogar in die fünfte Pocket. Ganz wichtige klemmen wir unter Magneten an den Kühlschrank. Vom Zettel ist die Rede. Zettel sind nützlich und populär. Den Spitznamen „Zettel-Ewald“ verpasste die BILD-Zeitung einst dem Ex-Fußballer und Bundesligatrainer-Novizen Ewald Lienen, weil er wie die Chefsekretärin im 50er-Jahre Film mit dem Notizblock an der Seitenlinie stand, damit bloß kein Fehler eines Spielers in der Kabine unerwähnt bleiben sollte. Gut möglich, dass die Mannschaft ihm geglaubt hat, schließlich las er vom Blatt ab wie ein Nachrichtensprecher. Und als Jens Lehmann beim Sommermärchen 2006 im Viertelfinale einen aus dem Stutzen zog und den Elfmeterschützen wissend anlächelte, verschoss der verunsicherte Argentinier und zettelte anschließend aus Frust eine Schlägerei an. Eigentlich sollte die Testamentserrichtung in der Hand der hierfür ausgebildeten Notare liegen. Wer Angehörige hat und diese liebt, sollte zur Regelung des Nachlasses einen Notar aufsuchen. Aber wenn die ganze Steuerreform auf den Bierdeckel passt, reicht doch ein handgeschriebener Zettel für ein Testament allemal, oder? Und überhaupt: Jeder ist ein Jurist! Wie wäre es z.B. mit folgender Formulierung: „Wenn ich tot bin, kriegt alles mein Schatz. Vadder.“ Wer Vadder ist, erschließt sich aus dem Kontext, ein älterer Herr auf dem Bett, ein Zettel im Pyjama. Aber wer war sein „Schatz“? Die Ehefrau, die Geliebte, die Tochter, und wenn ja, welche, ein Enkelkind oder doch der Hund? Fragen über Fragen, die der Erblasser weder beantworten kann noch muss. Jura Intensiv Notare kosten lebzeitiges Geld. Nach uns die Sintflut. So denken viele. Weil es entgegen medial verbreiteter Meinung auch schon früher Populisten gab, schaffte es § 2247 BGB als vermeintlich bürgerfreundliche Alternative zum öffentlichen Testament ins BGB. In der Praxis ernährt der Paragraph heute ganze Kohorten von Anwälten, die sich mit den handgestrickten Testamenten frisch Verstorbener auseinandersetzen müssen. Eigenhändig schreiben kann jeder, präzise formulieren fällt schwerer, erbrechtliche Formvorschriften jedoch hält nur ein, wer sie kennt. Diesen Text schrieb die Erblasserin auf einen Zettel: „Wenn sich für mich [Vor- und Nachname], geb. … [Geburtsdatum] einer findet, der für mich aufpasst und nicht ins Heim steckt der bekommt mein Haus und alles was ich habe.“ Es folgte die Unterschrift der Erblasserin. Die Identitätsfunktion dürfte gewahrt sein. Mundartlich geprägtes Deutsch wirkt oftmals so putzig wie glaubhaft. Per Zeugenbeweis lässt sich feststellen, ob jemand im üblichen Sprachgebrauch dazu neigte, Kommata wegzulassen und statt „auf mich aufpasst“ „für mich aufpasst“ zu sagen. Eigentlich ist der Inhalt des Textes auch ganz eindeutig, aber ist Ihnen aufgefallen, dass Zeit- und Ortsangaben fehlen? Ob das OLG Braunschweig im konkreten Fall das Zetteltestament zugunsten der wachsamen, das Erbe für sich reklamierenden Haushälterin hat gelten lassen, erfahren Sie, liebe Leserinnen und Leser der RA, auf Seite 234 in dieser Ausgabe. © Jura Intensiv Verlags UG & Co. KG Inhaltsverzeichnis

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